­čĹ╗ Deep Dive in die Angst

Disclaimer: Dieser Blogbeitrag wurde automatisch aus dem Transkript der Podcastfolge generiert.

Allein mit deinen Ängsten?

Im Podcast spreche ich an dieser Stelle von einer sehr pers├Ânlichen Erfahrung. Warum teile ich meine Erfahrungen so offen? Der Grund ist ganz einfach: Ich glaube, dass es wichtig ist, offen und direkt ├╝ber diese Situation zu sprechen. Ganz ehrlich, Es hat mich sehr viel M├╝he gekostet, davon zu erz├Ąhlen. Und ich habe die Aufnahme mehrmals neu gestartet. Das liegt einfach daran, dass es doch sehr pers├Ânlich ist und es ist schwierig, das so in die ├ľffentlichkeit zu tragen.

Trotzdem glaube ich, dass es wichtig ist, denn ich glaube, dass es sehr viele Menschen gibt, die ├Ąhnliche Erfahrungen gemacht haben. Vielleicht nicht ganz so schlimm, hoffentlich nicht ganz so schlimm, aber trotzdem sich in Aspekten wiedererkennen. Und ich hoffe, dass diese Person durch meine Beschreibungen das Gef├╝hl bekommen, dass sie eben nicht allein sind. Denn ich wei├č, wie unangenehm, wie wie schrecklich es sein kann, mit den eigenen ├ängsten isoliert zu sein. Denn wenn man so lange mit den eigenen ├ängsten isoliert ist, dann wachsen diese ├ängste umso mehr an!

Deswegen ist es wichtig zu verstehen, dass viele Menschen unter solchen Ängsten leiden.

In verschiedenen Auspr├Ągungen, mit verschiedenen Symptomen und verschiedenen Ursachen. Aber es gibt viele Menschen, die diese ├ängste mit sich tragen und es ist okay, dar├╝ber zu reden, auch offen und ehrlich. Und niemand, der es wert ist, ein Gespr├Ąch aufzubauen, wird dich daf├╝r abwerten. Im Gegenteil, es ist Selbstwert st├Ąrkend, das zu benennen. Es ist Selbstwert st├Ąrkend dar├╝ber zu reden und es ist st├Ąrkend, mit anderen ins Gespr├Ąch zu kommen, denen es genauso geht. Und wenn das dazu beitr├Ągt, dann ist dieser Podcast insgesamt ein Erfolg.

Keine Musterl├Âsung

In dieser Folge m├Âchte ich den Fokus noch mal auf die Angst legen. Denn wie schon gesagt, kommt die Angst oder die Bewertungsangst oft in Kombination mit anderen ├ängsten, mit anderen sozialen ├ängsten. Auch daf├╝r gibt es kein Patentrezept. Das habe ich schon in der ersten Folge gesagt und ich m├Âchte auch hier in der letzten Folge nochmal aufgreifen, dass es durch die unterschiedlichen Erfahrungen und durch die individuellen Symptome und Erlebnisse und Wahrnehmungen kein Patentrezept gibt, keine Musterl├Âsung.

Das einzige, was funktioniert, ist es, Dinge auszuprobieren, zu reflektieren und anzupassen. Und das kann man allein machen oder mit externer Unterst├╝tzung, beispielsweise durch Beratung oder eben durch Therapie.

In dieser Folge m├Âchte ich noch mal einige Gedanken und auch Ans├Ątze aufgreifen, um sich mit tiefergehenden ├ängsten, also mit sozialen ├ängsten auseinanderzusetzen.

Wir m├╝ssen leider wirklich aus der Komfortzone heraus

Der erste Punkt ist wie ein Pflaster, das wir jetzt schnell abrei├čen sollten. Du musst, wenn du dich diesen ├ängsten stellen willst, irgendwann aus deiner Komfortzone heraus. Das hei├čt, du musst dich irgendwann Situationen stellen, die dir Angst machen. Und dabei wird es nat├╝rlich auch negative Erfahrungen geben. Also es wird am Anfang schmerzhaft sein, es wird anstrengend sein und es kann passieren, dass es sich einfach wirklich, wirklich schei├če anf├╝hlt. Aber das ist Teil des Lernens. Und aus diesen Sachen nimmst du die meisten Erfahrungen mit.

Der Sprung ins kalte Wasser, der kommt irgendwann und der ist auch nicht ersetzbar. Aber du kannst dich eben darauf vorbereiten. Zum Beispiel eben mit diesem Podcast, wenn es um die Rede├Ąngste geht. Oder eben auch mit anderen Methoden, wenn es um soziale ├ängste geht. Dazu kommen wir gleich. Und mit der Zeit werden die negativen Erfahrungen dann weniger und es wird dir klarer, was dir gut tut und was eben nicht. Und dann wird ja auch klarer, welche n├Ąchsten Dinge du machen solltest.

Also wo es sich lohnt, aus der Komfortzone zu gehen oder wo du halt sagst Ja, daf├╝r mache ich das halt nicht. Immer wenn du dich herausforderst, dann sind Stress und Angst gute Anzeichen daf├╝r, dass du dich hier weiterentwickelst. Mir pers├Ânlich ist es wichtig, dass wir eine positive Fehlerkultur leben, also in der Fehler nicht nur okay sind, sondern sogar gut und w├╝nschenswert. In der wir uns daf├╝r nicht sch├Ąmen, dass wir Fehler gemacht haben. Denn ohne Fehler h├Ątten wir nichts Neues gewagt. Und wir m├╝ssen halt Fehler riskieren, um eine Entwicklung zu machen auf dem Weg dahin, uns aus der Komfortzone zu wagen und uns auf der auf dem richtigen Level herauszufordern, m├╝ssen wir ein realistisches Bild von uns haben oder uns zumindest dem realistischen Bild von uns ann├Ąhern. Denn nur dann schaffen wir es, uns auch realistische Ziele zu setzen.

Realistische Schritte

Also zum Beispiel, wenn ich gerade an den Anfang meiner Rede Angst denke, da w├Ąre es f├╝r mich nat├╝rlich unvorstellbar gewesen, mich auf eine B├╝hne zu stellen und ein Vortrag zu geben. Vor 100 Leuten. Der Sprung w├Ąre viel zu gro├č gewesen. Der Stress, der daraus resultiert w├Ąre, h├Ątte mich ├╝berfordert. Also ich w├Ąre versunken darin. Mich aber auf den n├Ąchsten Friseurtermin einzulassen und selbstbewusst in diesen Laden zu gehen, das ist schon ein realistischeres Ziel. Es ist wichtig zu wissen, wo ich gerade stehe und was ich mir selbst zutrauen kann und es dann zu testen.

Rollen austesten

Und es ist auch okay, dabei in andere Rollen zu schl├╝pfen. Wir haben in einer der vorherigen Folgen dar├╝ber gesprochen, dass wir uns ├╝berlegen m├╝ssen, in welcher Rolle wir auf der B├╝hne sind. Diese Rolle zu finden, funktioniert nur durch Probieren und dabei schauspielert man am Anfang nat├╝rlich ein bisschen und das ist auch okay. Wenn es dir Selbstsicherheit gibt, ist es v├Âllig okay, wenn du dich ein St├╝ck weit vorstellst und ein St├╝ck weit Schauspieler ist, um dich der sozialen Situation anzupassen. Und Schauspielern hei├čt eben nicht, dass du dich jetzt vorstellst und dadurch unecht und unpers├Ânlich wirst, sondern im Gegenteil, du testest einfach nur andere Aspekte von dir aus.

Also du guckst mal, ob du dich, wenn du dich so verh├Ąltst, in der Rolle auch wohl f├╝hlst oder dir diese Rolle eine andere Perspektive auf dich er├Âffnet, mit der du dann sp├Ąter zu mehr von dir selbst finden kannst. Du kannst dir das so vorstellen, dass wir im Alltag immer in irgendwelchen Rollen sind. Also niemand von uns ist immer so, wie er halt ist, sondern wir haben uns einfach. Durch unser Gro├čwerden und unsere Erfahrungen in einem sozialen Umfeld haben wir irgendwann gelernt, in bestimmten Rollen, mit bestimmten Reaktionen, mit bestimmten Gedanken zu reagieren.

Diese Rollen merken wir oft gar nicht und wir denken dann Das sind halt wir selbst. Doch wahrscheinlich wirst auch du eine andere Person sein, wenn du mit deinen Freundinnen unterwegs bist oder wenn du bei der Familie sitzt. Und das ist v├Âllig normal. Denn in sozialen Beziehungen, also in jeder Art von Beziehung, haben wir mit allen Beteiligten andere Sprachmuster, andere Reaktionen. Das hei├čt, wir sind in jedem Kontext in einer anderen Rolle. Und deswegen ist es aus meiner Perspektive auch total produktiv, sich in neue Rollen herein zu testen.

Denn wie gesagt, kann man dabei eine Menge ├╝ber sich selbst lernen und eben dadurch seine eigene Pers├Ânlichkeit kennenlernen und hat dann auch ein anderes Verhaltensrepertoire, also mehr M├Âglichkeiten in Situationen zu reagieren. Kurzum dieses Austesten der eigenen Rolle f├╝hrt dazu, dass wir wachsen. Und das kann auch funktionieren, indem wir uns zuallererst Vorbilder suchen.

Modelllernen

Kinder lernen ganz viel ├╝ber das Modell lernen. Das hei├čt, sie gucken sich an, was die Eltern tun, wie sie sich bewegen, wie sie mit Dingen umgehen, wie sie Dinge bewerten und kopieren. Das und das machen wir unbewusst ja auch im Alltag. Also sei es nun ├╝ber ├╝ber Spielfilme oder ├╝ber Influencer. Wir betrachten andere, wir finden Dinge gut, wir finden Dinge schlecht. Was wir gut finden, ├╝bernehmen wir. Was wir schlecht finden, versuchen wir zu vermeiden. Wenn du dich also in sozialen Situationen st├Ąrken willst, kannst du dir ├╝berlegen, wen du so richtig gut findest dabei.

Also wen du kennst, der oder die super reden kann, in sozialen Interaktion total souver├Ąn auftritt und du kannst ├╝berlegen, woran das jetzt liegt. Also wie verhalten die sich? Was? Was sagen die? Wie reden die? Und dann schau doch mal, was davon du f├╝r dich ├╝bernehmen k├Ânntest. Ich wei├č, dass jetzt viele von euch denken: Ja, aber dann kopiere ich die. Dann bin ich so ein Fake der anderen Personen.

Das stimmt nat├╝rlich. Wenn du jetzt nur noch so w├Ąrst und dich dieser Person immer wieder angleicht, die die gleiche Frisur machst, die gleichen Klamotten kaufst. Aber darum geht es ja gar nicht. Sondern es geht dabei darum, dass du mit dieser Rolle spielst, als w├╝rdest du auf der Theaterb├╝hne stehen. Denkst du dich in diesen Charakter hinein, versuchst den nachzuahmen und dabei zu verstehen und dann kannst du das, was die daran gef├Ąllt, was zu dir passt, in deiner Art und Weise ├╝bernehmen.

Das hei├čt, auch in dem Moment, wo du oder das tust, spiegelt sich deine eigene Pers├Ânlichkeit in dieser Person und am Ende kannst du mehr ├╝ber dich lernen als ├╝ber die andere Person. Deswegen scheue dich nicht davor, auch Dinge zu ├╝bernehmen oder zu kopieren. Das ist genau wie in der Kunst. Auch da ist es so, dass wenn wir lernen zu malen oder Skulpturen zu bauen, wir erstmal die Stile derjenigen kopieren, die vor uns kamen, einfach um zu verstehen, wie die gearbeitet haben und wie das funktioniert. Und daraus entwickelt sich dann irgendwann der eigene Stil.

Macht aber jetzt nicht den Fehler, dass du dann merkst ich kann das ├╝berhaupt nicht so gut wie die Person. Also ich bin da viel schlechter. Darum geht es auch gar nicht. Nat├╝rlich k├Ânnen wir nicht von jetzt auf gleich in eine Rolle schl├╝pfen und uns dann v├Âllig anders verhalten. Wir sollten uns immer mit uns selbst vergleichen. Also mit dir selbst. Vor einem Jahr oder vor einem halben Jahr. Und du wirst feststellen, dass du dich innerhalb von einem Jahr enorm entwickeln kannst.

Achte auf deine Ressourcen

Das alles sind Punkte, mit denen du sehr aus der Komfortzone herausgehen kannst und ins kalte Wasser springen kannst. Pass aber trotzdem auf dich auf und bleibt wachsam f├╝r deine eigenen Ressourcen.

Es ist total wichtig, dabei auch Pausen zu machen und auch anzuerkennen, dass wenn du dich ├╝berfordert f├╝hlst oder einfach nur den den absoluten Drang danach versp├╝rst du jetzt, dich zur├╝ckzuziehen und einfach f├╝r zwei Wochen eine Auszeit davon zu nehmen. Dann mach das, dann nimm dir den Abstand und nimm dir die Zeit. Diese Ver├Ąnderung ist eben kein Sprint, sondern wir haben hier einen Marathon vor uns. Nachhaltige und gesunde Entwicklung braucht Zeit, denn es m├╝ssen sich neue Verhaltensmuster auf allen Ebenen etablieren. Und unser Gehirn braucht dabei Zeit, diese Reaktionsmuster einzuprogrammieren.

Schreibend denken

Was du machen kannst, ist diesen Prozess auch in den Zeiten, wo du dich heraus nimmst, durch Reflexion zu unterst├╝tzen. Zum Beispiel indem du ein Tagebuch schreibst. Und dabei geht es gar nicht darum, so kitschig zu werden und jetzt jeden Eintrag beginnen zu lassen mit Liebes Tagebuch. Heute hatte ich Spaghetti zu 12:00 und danach habe ich voll den Ton getroffen, sondern es geht hier darum, dass du einfach nur deine Gedanken, die dich bewegen, auf Papier bringst. Dadurch hast du noch einen anderen Zugang dazu und es er├Âffnen sich noch mal neue Perspektiven.

Angsttagebuch

Eine Spielart davon w├Ąre zum Beispiel ein Angsttagebuch. In einem Angsttagebuch geht es darum, die eigene Angst ├╝ber einen bestimmten Zeitraum, zum Beispiel eine Woche oder zwei Wochen, zu beobachten und dann genau aufzuschreiben, wann du diese Angst hattest, wie stark sie war, was sie ausgel├Âst hat, wie lange sie andauerte und was dich dann wieder beruhigt hat. Daraus k├Ânnen dann Muster erkannt werden, das hei├čt, du kannst sehen, ob es wiederholende Situationen gibt, ob es bestimmte Verhaltensweisen gibt von dir, die diese Angst befeuern oder eben verbessern. Der Grund, warum es hilft, die eigenen Gedanken aufzuschreiben, entweder als Angsttagebuch oder oder auch einfach nur als Tagebuch, liegt daran, dass wir, wenn wir in diesem Angstgehirn sind, nicht mehr genau unterscheiden k├Ânnen zwischen Emotion, Kognition und Verhalten, also Emotionen, unseren Gef├╝hlen, Kognition, dem, was wir denken und verhalten, also dem, was wir dann tun.

Das Ganze verschwimmt irgendwie in so einem diffusen und vagen Zustand, wenn wir versuchen, das zu Papier zu bringen, dann k├Ânnen wir das genau aufschl├╝sseln. Also wie hat sich dann hier gerade mein K├Ârper gef├╝hlt? Welche Emotionen stecken da drin, welche Gedanken, welche Angstgedanken kamen dazu? Welche inneren Bilder habe ich gesehen? Und dann auch noch Wie habe ich mich verhalten? Dadurch wird die Angst wieder klarer, wieder greifbarer. Und wir wissen ja. Angst lebt davon, dass sie vage und abstrakt bleibt.

Wenn ich sie zerlege und greifbar mache, dann wird sie pl├Âtzlich handhabbar. Diese gesamte Folge lebt davon, dass ich immer wieder sage Das eine ist gut, aber pass auf, dass du das nicht vertreibst. Denn die Gefahr besteht auch hier, dass wenn du dich ├Ąngstlich f├╝hlst oder vielleicht sogar eine ├Ąngstliche Pers├Ânlichkeitsstruktur hast, dazu tendiert das jetzt, wenn du Tagebuch f├╝hrst, auch alles aufschreibst. Also da muss auch wirklich das Angstagebuch mit allen Eintr├Ągen gef├╝llt werden, die es so gibt. Und pl├Âtzlich entsteht daraus wieder eine Drucksituation.

Auch hier ist es wichtig, dann auch da wieder Abstand zu nehmen, zu sagen okay, ich mache das regelm├Ą├čig, aber wenn es gerade nicht geht, wenn ich gerade das Gef├╝hl habe, es gibt mir nichts und es l├Âst nur Stress aus, dann lasse ich es bleiben. Diese ├ängste zu bek├Ąmpfen oder mit diesen ├ängsten zu arbeiten, das ist eine Ver├Ąnderung, die auf ganz, ganz vielen Ebenen gleichzeitig passiert. Das hei├čt, du hast hier dein inneres Gef├╝hlsleben, du hast Beziehungsmuster zu anderen Personen, du hast verschiedene Rollen in verschiedenen Kontexten, also Arbeit, Schule, Studium, Hobby, Privatleben. Diese Liste kann man unendlich weiterf├╝hren und auf all diesen Ebenen wirst du dich ja ver├Ąndern, weil sich dein gesamtes Wesen ver├Ąndern wird.

Und deswegen ist es okay, den Fokus von einem Bereich wegzunehmen und auch mal auf einen anderen Bereich zu legen. Denn wir k├Ânnen uns nicht immer nur in einem Bereich weiterentwickeln, sondern wir m├╝ssen verschiedene Bereiche parallel betrachten und zwischen ihnen wechseln. Das hei├čt aber nicht, dass dann der andere Bereich in der Zwischenzeit liegen bleibt. Im Gegenteil.

Erstens arbeitet unser Unbewusstes immer weiter daran, denn diese Prozesse enden ja nicht einfach im Unterbewusstsein. Und zweitens wird jede Verbesserung in einem Bereich auch die Lebensqualit├Ąt in anderen Bereichen erh├Âhen.

Auf dem Lernplateau

Am Anfang kann es sich so anf├╝hlen, als w├╝rde das super lang dauern und als w├╝rde man stillstehen. Aber neue F├Ąhigkeiten, die lernt man exponentiell. Das hei├čt, am Anfang dauert es lang und man kommt nur langsam voran, aber irgendwann macht es einen Sprung und dann geht die Entwicklung viel schneller. Eine gute Sache, um sich selbst vor Augen zu f├╝hren, was man bisher schon erreicht hat, obwohl es sich anf├╝hlt wie Stillstand es ist, das Ganze aufzuschreiben.

Das kannst du zum Beispiel in einer Art von Dankbarkeitstagebuch machen, wo du dir jeden Tag f├╝nf Dinge aufschreibst, f├╝r die du dankbar bist. Oder indem du, um deinen Selbstwert zu pusten, einmal alle Dinge sammelst, die daf├╝r sprechen, dass du eine wertvolle Person bist. Da kannst du dich hinsetzen. Du kannst aufschreiben, warum dein Wert als Mensch nicht von der Leistung in einer bestimmten Situation abh├Ąngt oder was andere Menschen an dir wertsch├Ątzen. Daraus bilden sich dann emotionale Ressourcen f├╝r die Momente, in denen du dich eben nicht so stark f├╝hlst. Im besten Fall hast du immer so eine Liste parat und kannst sie aufschlagen und nachlesen.

Falls du dich also wirklich, wirklich angeschlagen f├╝hlst. Au├čerdem kann dieser gef├╝hlte Stillstand auch ein sogenanntes Plateau sein. Denn die Entwicklung von Verhalten, die l├Ąuft eben nicht genau exponentiell, sondern es gibt immer eine Weile Anstieg, wo man genau merkt, dass man sich gerade verbessert, dass man was Neues lernt. Und dann folgt eine ganze Weile Stillstand, wo man auf dem Niveau bleibt, aber sich nicht weiterentwickelt. Das sind die Plateaus. Auf diesem Plateau bleibt man in der Regel immer eine Weile, bevor man dann den n├Ąchsten Sprung macht. Der n├Ąchste Sprung kommt aber.

Die Kunst besteht darin, auch dann weiterzumachen, wenn man sich auf diesem Plateau befindet.

Angsthierachie

Eine M├Âglichkeit, dich auch auf diesen Plateau weiterzuentwickeln, stammt aus der Verhaltenstherapie. Diese Methode kann eben auch zur Selbsttherapie eingesetzt werden. Allerdings auch hier wieder mit dem Hinweis, dass Selbsttherapie zwar nachgewiesenerma├čen wirksam ist, aber eben keine Therapie ersetzt. Das hei├čt, wenn du sicher gehen willst, ist es immer gut, dass du dich in professionelle Psychotherapie begibst.

Bei dieser Technik handelt es sich um die Arbeit mit einer Angsthierarchie. Dabei geht es darum, dass wir dem Gehirn beibringen, dass zwischen der Situation, die uns Angst macht und der Reaktion mit Angst darauf eine Verbindung liegt, die man aufl├Âsen kann. Das Gehirn soll also verlernen, dass diese Situation be├Ąngstigend ist. Und das passiert, indem man dem Gehirn zeigt, dass die negative Konsequenz, die wir erwarten, eben nicht eintritt. Dazu nutzt man die systematische Desensibilisierung systematisch deswegen, weil sie einen Plan folgt und Desensibilisierung deswegen, weil man dem Gehirn zeigt, dass be├Ąngstigende Situationen eben eigentlich nicht be├Ąngstigend sind.

Das Gehirn also weniger sensibel wird f├╝r diese Angstsituation. Das Ganze funktioniert am besten, wenn man bereits eine Entspannungstechnik f├╝r sich gefunden hat und die regelm├Ą├čig praktiziert. Also wenn du bereits regelm├Ą├čig meditierst oder autogenes Training machst, progressive Muskelrelaxionen oder regelm├Ą├čig Atemtechniken darauf verwendest oder dir deinen Ruheort visualisiert, dann bist du gut vorbereitet, um mit dieser Technik zu arbeiten. Das Ganze funktioniert so, dass du dir einen Plan machst, mit ganz kleinen Schritten, die aufeinander aufbauen und sich einem gro├čen Ziel n├Ąhern. Beispielsweise k├Ânntest du sagen das Ziel ist, dass du auf einer B├╝hne vor 20 Leuten reden kannst.

Dann suchst du dir mehrere kleinere Schritte, die darauf hinarbeiten. Das hei├čt, wir arbeiten hier nicht nur mit realen Situation, sondern vor allem mit Vorstellungsbildern. Diese kleineren Schritte dahin k├Ânnten zum Beispiel sein, dass du dir vorstellst, dass dieser Vortrag erst in einem Monat stattfindet oder dass die Pr├Ąsentation in drei Tagen stattfindet. Dass du vor einem ganz unbekannten Publikum redest, von f├╝nf Personen oder einem bekannten Publikum, zum Beispiel bestehend aus Freundinnen.

Wie genau dieser Plan aussieht, h├Ąngt nat├╝rlich davon ab, welche Situationen f├╝r dich be├Ąngstigend sind. Die Idee ist aber generell, dass du dir kleine Schritte suchst, die aufeinander aufbauen und zu dem gro├čen Ziel f├╝hren, das du dir gesetzt hast. Du beginnst dann ganz unten, das hei├čt mit der ersten, mit dem ersten leichten Schritt.

Die ├ťbung beginnt, indem du dich in den Ruhemodus begibst, das hei├čt in dem du die Atemtechnik anwendest oder die progressive Muskelrelaxion oder dich in den Ruheort zur├╝ckziehst. Und w├Ąhrend dieser Entspannung dann die erste Stufe, also das einfachste Bild, was du dir gesucht hast, in dein Bewusstsein zu rufen, also vorzustellen, wenn du merkst, dass dann die Angst beginnt, versuchst du durch die Entspannungstechniken diese Angst herunterzufahren. Und wenn das klappt, dann gehst du zum n├Ąchsten Schritt stellst du die etwas schwierigere Situation vor.

Und das machst du so lange, bis du merkst, dass du einen Punkt erreicht, an dem die Angst einfach zu gro├č ist und du dich nicht mehr selbst beruhigen kannst. Dann brichst du diese ├ťbungsreihe ab und beginnst wieder von vorn. Das Ganze l├Ąsst sich nat├╝rlich nicht an einem Tag zum Erfolg f├╝hren, sondern ist darauf angelegt, dass man das immer wieder macht, also ├╝ber mehrere Wochen hinweg wiederholt. Und zwar so lange, bis man am Ende dieser Hierarchie angekommen ist, dieser Pyramide. Sich also diese bedrohliche Situation, unser Ziel vorzustellen, ohne dabei in Angst zu verfallen.

Wenn du zum Beispiel Angst vor Spinnen h├Ąttest, dann w├╝rde man hier damit beginnen, dass du dir grunds├Ątzlich erstmal vorstellst. Irgendwo im Wald h├Ąngt eine kleine Spinne, die du ├╝berhaupt nicht bedrohlich findest. Und mit jeder Stufe k├Ânnte diese Spinne jetzt gr├Â├čer werden. Dann k├Ânntest du dir vorstellen, dass du an einem Tisch sitzt und in der Mitte des Tisches sitzt diese Spinne. Vielleicht kommst du dann sogar auf die n├Ąchsten Stufen und nimmst diese Spinne auf die Hand. Das Ganze zielt darauf ab, dass du diese Angst vor der Spinne verlierst. Aber wie gesagt, wie nun diese Angsthierarchie konkret aussieht, das h├Ąngt davon ab, wie gro├č deine Angst ist, welche Erfahrungen besonders be├Ąngstigend sind.

Und auch hier muss man halt einen individuellen Plan erstellen. Das l├Ąsst sich nicht generell sagen, dass diese zehn Schritte dazu f├╝hren, dass du dann keine Angst mehr davor hast. Deshalb ist es hier ratsam, sich Unterst├╝tzung zu suchen. Also entweder in Form von Gleichgesinnten, also Personen, die vor ├Ąhnlichen Problemen stehen. Das kann auch irgendwie ├╝ber ├╝ber Foren passieren oder ├╝ber Social Media. Oder eben durch Teilnahmen an Seminaren, an Workshops, an Beratungen.

Superkraft

Damit sind wir am Ende des Podcasts. Ich m├Âchte mit einem Gedanken schlie├čen, der mich dazu bewegt hat, dieses Podcastprojekt ├╝berhaupt zu starten. Dieser Gedanke stammt von Eleanor Hunter. In einem Podcast hat sie gesagt, dass diejenigen, die unter Redeangst leiden und dann reden lernen, danach eine Superkraft haben. Denn die Personen, die weniger reden, haben viel mehr Zeit dazu, zuzuh├Âren. Und dadurch haben sie h├Ąufig ein sehr gutes Gef├╝hl f├╝r Sprache, ein sehr gutes Gef├╝hl f├╝r die Stimmung im Raum und f├╝r den emotionalen Zustand von anderen Personen.

Ihr Beispiel war, dass h├Ąufig diese Personen mitbekommen, wenn jemand am Esstisch sitzt und etwas vom anderen Ende des Tisches haben m├Âchte. Und zwar noch bevor die Person das sagt. Personen, die eher nicht so viel reden, haben h├Ąufig gelernt, auf kleine Hinweisreize zu achten, nehmen also auch kleine Anzeichen wahr, die andere Personen, die gerne viel reden und deswegen auch viel mit sich selbst besch├Ąftigt sind, nicht wahrnehmen w├╝rden. Nat├╝rlich ist es jetzt nicht bei allen Leuten so und es gibt in beiden Gruppen nat├╝rlich auch Personen, die sensibel daf├╝r sind oder eben nicht.

Aber ich m├Âchte zum Schluss dieses Podcast dir den Mut geben, dich auf den Weg zu machen, deine eigene Superkraft zu entdecken. Denn ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es eine Menge Spa├č macht, wenn man die ersten Schritte gegangen ist und merkt, wie gut es sein kann, vor anderen zu reden.

Ich w├╝nsche dir viel Erfolg auf deinem Weg und nat├╝rlich freue ich mich, wenn du mir Feedback gibst.