Kopfgespenster – First of all, do your homework

Von Redeangst zu Arroganz

Es ist 2017 und ich bin verdammt stolz auf mich. Das liegt daran, dass ich mich in den letzten Jahren aus meiner Redeangst heraus gearbeitet habe und mittlerweile ziemlich gern vor Menschen stehe und spreche. Auf dem Weg dahin habe ich mich zum Tutor für wissenschaftliche Kommunikation und Präsentation ausbilden lassen und gebe jetzt regelmäßig Workshops und Seminare. Ich bin also gewöhnt daran, vor kleinen Gruppen zu stehen und meine Inhalte zu präsentieren. Und weil mir das so viel Spaß macht, habe ich beschlossen, mich auch in anderen Themenfeldern ausbilden zu lassen. Zum Beispiel im wissenschaftlichen Arbeiten.

Heute stehe ich vor meiner Lerngruppe, die sich mit diesem Thema beschäftigt, also vor den anderen, die sich auch ausbilden lassen. Ich soll ein didaktisches Unterrichtskonzept vorstellen, das ich selbst erstellt habe. Mit meiner neu gewonnenen Sicherheit gehe ich also nach vorn vor die Gruppe, beginne meine Präsentation und… verhaspel mich. Ich merke, wie meine Gedankenströme abreißen und ich den Faden verliere. Mir wird plötzlich ganz warm und ich empfinde das, von dem ich dachte, es schon seit einigen Jahren hinter mir gelassen zu haben. Die Panik schießt mir in den Kopf. Ich werde mega unsicher und hangele mich jetzt also irgendwie durch diese Präsentation. Und weiß dabei aber schon: Das hier ist grottenschlecht. 😞

Als ich wieder zurück zu meinem Platz gehe und die Sache verdauen kann, denke ich darüber nach, woran das gerade gelegen hat. Also warum habe ich mich nicht schon wieder so gefühlt, obwohl ich doch eigentlich aus diesen Ängsten schon heraus war? Und so langsam dämmert es mir, woran es liegt: Es war meine eigene Arroganz.

Denn mit meiner neu gewonnenen Selbstsicherheit dachte ich, ich komme mit jeder Situation gut klar und muss mich jetzt nicht besonders darauf vorbereiten. Das Problem war nur, dass ich mich eben fast gar nicht vorbereitet habe und dachte, ich kann das schon irgendwie vorstellen und muss mich jetzt nicht weiter darauf vorbereiten. Und genau das fiel mir auf die Füße, denn scheinbar war ich an dem Tag einfach in keiner guten Verfassung.

Durch meine Angst hatte ich mich zuvor immer akkurat, fast schon penibel vorbereitet. Einfach um Stolpersteine frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Doch heute habe ich den Fehler gemacht, mich gar nicht vorzubereiten. Und plötzlich wurde der Vortrag grottenschlecht. Erst in dem Moment wurde mir so richtig bewusst, warum es wichtig ist, den Inhalt vorzubereiten. Und damit du jetzt nicht den gleichen Fehler machst wie ich damals, widme ich diesen Artikel ganz der inhaltlichen Vorbereitung.

Die vier Dimensionen der Redeangst

Ich unterscheide vier Dimensionen, in denen sich die Symptome der Redeangst zeigen und auf denen wir handeln können, um mit ihnen umzugehen.

Vorbereitung

Dimension #1

Vorbereitung

Hierzu zählen alle Inhalte: Zahlen, Daten, Fakten und wie sie in Argumenten aneinandergereiht und durch den roten Faden verbunden sind.

Körperlichkeit

Dimension #3

Körperlichkeit

Hierzu zählen alle körperlichen Symptome, die du während der Redeangst erlebst.

Selbstbild

Dimension #2

Selbstbild

Hier verbergen sich deine Glaubenssätze an deine Redefähigkeit, deine Erwartungen und dein Rollenverständnis.

Unwägbarkeiten

Dimension #4

Unwägbarkeiten

Manche Dinge kann man einfach nicht vorhersehen – das sind die Unwägbarkeiten. Dazu zählt alles, was du an der Redesituation nicht direkt beeinflussen kannst.

In diesem Artikel gehe ich auf die Vorbereitung ein. Diese Dimension dreht sich um all das, was wir auf der inhaltlichen Ebene sagen wollen. Und jetzt fragst du dich vielleicht: „Warum zur Hölle muss ich jetzt irgendwas über die Ausarbeitung von Vorträgen lesen, wenn es hier doch eigentlich um Redeangst gehen soll?“

Der Grund dafür ist ganz einfach. Ohne solide Vorbereitung, ohne dass du genau weißt, was du sagen willst, steigt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass du schlechte Erfahrungen machst. Oder umgekehrt. Mit einer guten Vorbereitung steigt die Wahrscheinlichkeit enorm, dass du eine gute Erfahrung sammeln wirst. Denn ohne die gute Vorbereitung kann es passieren, dass du ins Schwimmen kommst, dass du vergisst, was du sagen wolltest oder dass dein Publikum gelangweilt durch Insta scrollt und niemand mehr genau versteht, was du eigentlich sagen willst. Dann kannst du eben auch die anderen Techniken auf den anderen Dimensionen perfekt umgesetzt haben. Wenn diese Grundlage fehlt, nimmst du dir ganz viel deiner Sicherheit und Souveränität beim Sprechen.

Worauf willst du eigentlich hinaus?

Der erste wichtige Schritt ist, dass dir dein Ziel klar ist. Also dass du weißt, was genau du hier gerade erreichen möchtest. Dieser Schritt klingt im ersten Moment total banal. Aber ganz ehrlich: Wie oft hast du dich bisher vor einem Termin oder vor einem Meeting, vor einer Präsentation ernsthaft gefragt: „Was ist eigentlich genau mein Ziel?“

Die meisten von uns stellen sich diese Frage nicht bewusst und noch weniger beantworten sie dann auch wirklich. Dabei ist die Frage nach dem Ziel fundamental wichtig. In unserer Welt mit einem unbegrenzten Zugang zu Informationen, müssen wir es schaffen, diese Informationen irgendwie zu filtern. Also aus dem Meer an Möglichkeiten, das auszuwählen, was zu dem passt, was wir gerade erreichen wollen. Und dafür müssen wir wissen, was unser Ziel ist.

Und zum anderen strukturieren wir dadurch auch die Argumente, die wir brauchen, also die Metaphern, die Schwerpunkte, die wir setzen, und den logischen Aufbau, den wir verfolgen, um eben dieses Ziel zu erreichen, was wir uns gesetzt haben. Deshalb gehört zu einer guten Vorbereitung zuallererst immer das Ziel klar zu kriegen.

Und hier will ich noch mal einen sehr, sehr faulen Zahn ziehen. Vielleicht hattest du schon mal das „Ziel“, mit deinem Vortrag über Thema XY zu informieren. Sorry, aber das ist kein Ziel. Jedes gut formulierte Ziel ist ganz konkret. Nach diesem Abschnitt sollen alle Lesenden wissen, dass das Ziel der wichtigste Schritt in der Vorbereitung ist. Das wäre ein sehr konkretes Ziel, das auch messbar ist. Denn ich könnte jetzt theoretisch alle Lesenden fragen, ob sie wissen, dass das Ziel der wichtigste Schritt in der Vorbereitung ist. 🤡

Ich möchte über mein Thema informieren ist kein Ziel für eine Präsentation.

Berechtigtes Imposter Syndrome?

Die zweite große Voraussetzung ist die Recherche und das Wissen zum Thema. Kennst du das Imposter Syndrome? Das ist das Gefühl, das viele Selbstständige haben, dass sie eigentlich gar nichts von dem verstehen, was sie hier machen. Sie sind sicher, dass der Schwindel irgendwann auffliegt. Bei den meisten Personen ist das völlig unbegründet, weil sie halt Expert*innen auf ihrem Gebiet sind und ganz viele Stunden an Erfahrung gesammelt haben – also wirklich was zu ihren Themen sagen können. Aber ohne die Zeit in die Vorbereitung investiert zu haben, ist diese Angst davor, erwischt zu werden, halt auch irgendwie berechtigt.

Denn dann bist du darauf angewiesen, diese Sache irgendwie zu „wingen“, also aus dem Stehgreif heraus zu improvisieren und dann irgendwie zu hoffen, dass dein fehlendes Wissen nicht auffällt. Einige Menschen haben ein Talent dafür und bauen ganze Karrieren darauf auf. Aber das kostet immer viel Energie. Und wenn du genau hinsiehst, dann fällt das auch meistens irgendwann auf.

Wenn du also nicht zu den natürlichen „Wingern“ gehörst, wird dich die Situation wahrscheinlich sehr stark verunsichern und etwaige Ängste dann noch mehr verstärken. Deshalb ist ein breites Wissen zum Thema die zweite wichtige Voraussetzung für die gute Vorbereitung.

Im Podcast „Kopfgespenster – Dein Weg aus der Redeangst“ geht es darum, mit greifbaren Methoden mehr Sicherheit in Redesituationen zu gewinnen.
In 6 Folgen zeige ich dir, wie die Angst vor dem Reden entsteht, warum es zu den typischen Symptomen kommt und welche Möglichkeiten es gibt, mit der Angst umzugehen.

Deine Kernbotschaft

Die erste Methode, die ich dir vorstellen möchte, ist die Kernbotschaft. Vielleicht kennst du sie auch unter Kernaussage oder Hauptaussage. Bei der Kernaussage geht es darum, die eine wichtigste Aussage zu finden, auf die du am Ende hinaus willst. Also ein Satz, der das Wichtigste, die Quintessenz aus seinem Vortrag beinhaltet.

Deshalb mag ich den Begriff Kernbotschaft auch so gern, weil dort schon der Kern im Namen steckt. Und genauso können wir uns diese Kernbotschaft auch vorstellen. Die grundlegende Idee, das Ganze, was ich sagen möchte, also der Kern wird in die Erde geworfen und daraus erblüht ein Gewächs, was den gesamten Inhalt trägt. Einer meiner Mentoren hat das damals so beschrieben: „Stell dir vor, dem Publikum liegt am Abend im Bett und denkt an deine Präsentation. Welcher eine Satz soll Ihnen dann in den Sinn kommen?“ Das ist die Kernbotschaft.

Es geht also darum, diesen einen Satz zu finden und diesen Satz mit viel Sorgfalt auszuformulieren. Denn der soll sich am Ende so stark einbrennen und so viel Inhalt tragen, dass daraus das Wichtigste des Ganzen, was du gesagt hast, abgeleitet werden kann. Und dieser Aufwand, diesen einen Satz zu formulieren, der lohnt sich. Denn damit hast du automatisch auch einen weiteren Filter nach deinem Ziel, mit denen du die Inhalte auswählen kannst, die in deine Präsentation gehören. Denn da gehören nur die Argumente rein, die ganz logisch zu der Kernbotschaft führen, die du dir überlegt hast.

Außerdem ist die Kernbotschaft eine gute Zusammenfassung deiner Präsentation, die dein Publikum später teilen kann. Und zwar ganz leicht, weil sie sich einfach wie so eine Art Catch Phrase in den Kopf gebrannt hat.

Eine gute Kernbotschaft ist auch wichtig für dich. Denn sie ist eine Art Rettungsanker, wenn du mal nicht weiter weißt. Im Zweifelsfall kannst du dich von dieser Kernbotschaft immer darauf zurückbesinnen, was du eigentlich gerade sagen willst, worauf du hinaus willst. Dann ist es auch wahrscheinlicher, dass deine Argumente wieder einfallen, deine Fakten und Daten wieder einfallen und dass du auch bei kurzen Holperern wieder schnell in deinen Vortrag zurückfindest. Also selbst wenn deine letzten Sätze etwas wirr waren, kannst du am Ende auf deine Kernbotschaft zurückkommen und trotzdem bekommt dein Publikum dann den wichtigsten Gedanken auf jeden Fall mit.

Es gibt also gute Gründe, warum es sich lohnt, Zeit in die Kernbotschaft zu investieren. Jetzt stellt sich die Frage, wie genau du dabei vorgehen kannst, wenn du deine Kernbotschaft ausformulieren möchtest? Meine Empfehlung ist es aber, dass du dich hinsetzt und versuchst, deinen Vortrag in einem Satz zusammenzufassen. Wichtig ist dabei, dass du dein Ziel immer im Blick behältst. Denn natürlich muss diese Kernbotschaft auch zu dem Ziel passen, was du gesteckt hast. Wenn du merkst, dass die beiden Sachen voneinander abweichen, ist die Frage, ob dein Ziel nicht gut gewählt war oder ob die Kernbotschaft noch nicht passt.

Das kann eine ganz schöne Herausforderung sein, denn komplexe Themen in nur einem Satz zu kondensieren, ist eine ganz schön große Aufgabe. Manchmal dauert es mehrere Tage oder Wochen, bis man zu diesem einen Satz kommt, wenn er wirklich gut werden soll. Zum anderen heißt es aber eben auch, dass du dich wirklich gut mit dem auskennen musst, über das du reden willst. Deshalb ist es ebenso wichtig, das Ziel und die Recherche im Vorfeld wirklich gut zu machen.

Der ganze Prozess wird schrittweise funktionieren. Also im ersten Schritt wirst du verschiedene Sätze, verschiedene Formulierungen haben, die noch zu lang sind, zu sperrig sind. Das ist alles völlig normal. Ich empfehle dir wirklich einfach erstmal alles aufzuschreiben, was dir in den Sinn kommt und dann auf dem Papier weiter zu denken, Dinge herauszustreichen, umzuformulieren, zu kürzen. So näherst du dich Schritt für Schritt deiner Kernbotschaft.

Warum sollte ich dir zuhören?

Die zweite Methode ist die Frage nach dem Warum. Warum höre ich hier eigentlich zu? Das ist die Relevanz deines Themas. Mit der Relevanz beantwortest du die Frage danach, warum dein Thema oder deine individuelle Perspektive auf das Thema für diejenigen, die gerade zuhören, wichtig ist.

Natürlich kannst du hier auch darüber reden, warum das Thema wichtig ist für die Welt oder für die Gesellschaft. Aber ganz ehrlich: Am Ende interessiert uns alle am meisten, warum etwas für uns wichtig ist. Also ganz persönlich und auf meinen individuellen Alltag bezogen. Wenn du es hier schaffst, eine überzeugende Relevanz aufzuzeigen, dann ist allen klar, warum es sich lohnt, dir hier gerade zuzuhören.

Und damit beantwortest du auch ganz nebenbei und implizit die Frage nach deiner Expertise – das richtet sich vor allem an diejenigen mit dem Imposter Syndrome, die vor allem sich selbst überzeugen müssen, dass sie Ahnung vom Thema haben.

Wenn klar ist, warum es wichtig ist, zuzuhören, dann gibt es dem Publikum auch das Gefühl, dass es hier etwas Wertvolles erfahren kann. Und damit lohnt sich auch die Zeit, die ich hier in Zuhören investiere. Der Relevanz näherst du dich, indem du dir selbst die Frage nach dem Warum stellst. Warum ist das Thema spannend und warum ist es besonders spannend, dir dabei zuzuhören, über das Thema zu sprechen?

Das größte Problem hierbei ist, dass unsere Gehirne darauf aus sind, möglichst viel Energie zu sparen. Das heißt, unser Gehirn kann manchmal mit sehr einfachen Antworten, die vielleicht auch gar nicht so gut zur Frage passen, zufrieden sein, wenn es dadurch Energie sparen kann. Manchmal macht es Sinn, diesen Mechanismus bewusst auszuhebeln. Also gib dich nicht mit der ersten Antwort auf die Frage nach dem Warum zufrieden, sondern geh vielleicht so heran, wie Kinder herangehen würden. Frag einfach noch mal warum. Warum ist das, was du aufgeschrieben hast, wirklich so? Ich wette, nach dem fünften Warum hast du auf jeden Fall einen soliden Grund gefunden, warum es spannend ist, dir zuzuhören.

Ganz am Ende macht es immer Sinn, in den Realitätscheck zu gehen. Also wenn es hier wirklich um eine Situation geht, die wichtig ist. Dann solltest du auch Leute fragen, die ähnlich zu dem Publikum sind, was dich erwartet, also vielleicht eine ähnliche Zielgruppe sind, in ähnlichem Alter sind oder ähnliche Probleme haben. Wenn du sie nach ihrer Perspektive auf dieses Thema fragst, hast du schnell ein Gefühl dafür, was der wichtigste Aspekt daran ist. Und den kannst du wieder einbeziehen in die Relevanz, die du selbst aufmachst.

SExI Argumente

Wie genau verpacke ich denn jetzt meine Inhalte so, dass sie einfach verstanden werden können und dass ich mich gut daran erinnere? Ich möchte dir ein Schema dafür vorstellen: SExI. Hinter diesem Akronym verbirgt sich ein Schema, mit dem du Argumente strukturieren kannst. SExI steht für State, Explain und Illustrate. Also These, Erklärung und Veranschaulichung. Und das ist ein prototypische Aufbau, mit dem im Prinzip jede Information strukturiert werden kann. Im ersten Schritt, State, nennst du deine These, also die Behauptung. Im zweiten Schritt, Explain, erklärst du dann, warum diese These stimmt. Also welche Fakten, welche Daten diese These stützen und wie du darauf gekommen bist. Ganz am Ende veranschaulicht du die Sachen im Schritt Illustrate, das heißt, du suchst nach einer Metapher oder einem Vergleich, einem Beispiel, das die Zusammenhänge sehr deutlich und greifbar macht.

Und wenn die These haltbar ist, die Argumente dafür stimmen und dein Beispiel gut gewählt ist, dann führt dieses sexy Prinzip State plain Illustrator dazu, dass dein Argument überzeugend wirkt. Der viel größere Vorteil für dich ist aber, dass du durch diese Logik des Arguments, die immer gleich bleibt, eine Art Leiter durch deinen Vortrag hast. Denn dadurch, dass du weißt, nach meiner These kommt die Erklärung. Nach der Erklärung kommt mein Beispiel hast du immer die nächste Leiter Sprosse griffbereit und kannst dich so, selbst wenn du keinen guten Tag hast, dich gestresst fühlst durch den Vortrag oder sehr unsicher bist, in der Situation dann doch irgendwie bis zum Ende durchkommen. Und selbst wenn du in dem Moment irgendwas vergisst, ist es doch sehr wahrscheinlich, dass du das Wichtigste des Arguments irgendwie dann doch erinnerst oder zumindest ein Teil davon erinnerst, diesen Teil benennen kannst und dadurch gar nicht auffällt, dass du jetzt irgendwie unsicher warst.

Natürlich wird dieses Schema nicht immer in der Praxis eins zu eins so funktionieren. Manchmal ist es auch gar nicht sinnvoll, jetzt auf Krampf noch mal ein Beispiel zu bringen. Aber die Grundidee, die Grundstruktur kann dabei helfen, eben einen soliden Aufbau zu haben, der die Sicherheit gibt.

Das waren die drei Methoden, die ich dir hier an der Stelle mitgeben möchte. Die drei sind der absolute Grundstein für für jeden Vortrag. Wenn du das umsetzt, hast du auf der inhaltlichen Ebene auf jeden Fall schon Sicherheit gewonnen.

Methoden in privaten Situationen?

Ganz zum Schluss möchte ich noch mal darauf eingehen, warum diese Methoden jetzt auch für private Gesprächssituationen gut sein können, warum ich sie dafür empfehle, besonders dann, wenn die Angst vor dem Reden sehr stark ausgeprägt ist. Dann geht sie oft auch einher mit sozialen Ängsten, weil es eben durch diese Erfahrung, dass ich nicht reden kann, auch diese Hemmungen davor gibt, in sozialen Situationen zu sprechen. Und dadurch kann es passieren, dass eben auch solche sozialen Interaktionen als überfordernd wahrgenommen werden und gern vermieden werden.

Das kann sowas sein wie das Bestellen an der Theke beim Bäcker oder eben der Friseurbesuch. Telefonate oder auch Streitgespräche im Freundeskreis. Und dann kann es eben auch helfen, sich auf diese Gespräche vorzubereiten. Das kann jetzt wieder für einige total banal klingen, weil warum sollte ich mich dann beim Brötchen kaufen, darauf vorbereiten, was mein Ziel ist oder wie mein Argument aufgebaut ist? Ich will niemanden davon überzeugen, mir Brötchen zu verkaufen. Und das stimmt natürlich. Wenn du das Gefühl hast, dass du dich darauf nicht so vorbereiten muss, dann super, dann lass es bleiben. Aber wenn du mit diesen Situationen struggelst, dann ist jede Hilfe recht.

Ich persönlich habe es mir zu eigen gemacht, einige der Methoden auch im Privaten zu nutzen. Am Anfang war es eine Art von Krücke für mich, die mir dabei geholfen haben, diese Situationen zu meistern. Mittlerweile ist es einfach nur eine gute Angewohnheit oder zumindest in meiner Wahrnehmung ist das eine gute Angewohnheit. Denn auch da hilft es ja, sich so klar wie möglich darüber zu sein, was man gerade aussagen möchte oder was hier gerade mein Ziel ist. Je klarer mein Ziel ist, desto klarer kann ich auch entscheiden, was gerade für mich okay ist und was nicht. Und besonders, wenn es jetzt zum Beispiel um Streitgespräche geht oder um Behördentermine, dann kann es eben ganz viel Klarheit schaffen, im Vorhinein das Ziel zu definieren, was ich mit diesem, diesem Termin oder diesem Gespräch erreichen möchte. Und auch die Argumente parat zu legen und vielleicht auch eine Kernbotschaft zu bilden, die meinen emotionalen Zustand oder beim Behördentermin, die die Sachlage gut darstellt.

Und dann ist es eben auch leichter, von der sozialen Interaktion nicht überrumpelt zu werden, sondern mit einem souveränen Auftreten auch für die eigenen Ziele und für sich selbst einzustehen. Reden ist eine so grundlegende Sache, die sich durch alle Lebensbereiche zieht, dass wir eben von den Methoden, die wir in einer Situation gelernt haben, auch in allen anderen Situationen profitieren können. Das ist auch genau der Punkt, warum diese Angst sich eben auch auf alle Lebensbereiche ausdehnen kann, weil sie eben von der eigentlichen Situation der schlechten Erfahrungen zum Beispiel in der Schule transportiert wird auf private Lebensbereiche. Also warum sollen wir diesen Effekt nicht umdrehen und zu unseren Gunsten nutzen? Dann können wir diese Methoden nämlich einfach als Kompass betrachten, den wir so lange nutzen, bis wir uns sicher genug fühlen, um allein zu navigieren.